Kammer will faire Bewertung der ärztlichen Leistung gerade für den Nachwuchs

Der Vorstand der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) wendet sich gegen pauschale Verunglimpfungen der Ärzteschaft als Betrüger und Korrupteure und fordert eine faire Anpassung der Bewertung ärztlicher Arbeit. „Was wir wollen, ist Gleichbehandlung und Gerechtigkeit im Vergleich zu anderen freien Berufen, denn dies ist nach 17 Jahren Nichtanpassung der ärztlichen Gebührenordnung einfach fällig", so der Präsident der ÄKWL, Theodor Windhorst. Das Vertrauen des ärztlichen Nachwuchses in eine faire Bewertung seiner Arbeit dürfe nicht beschädigt werden. Der Kammervorstand spricht sich dafür aus, per Übergangsregelung einen Inflationsausgleich zu schaffen, solange keine neue Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) vorliegt. „Die GOÄ-Verhandlungen mit den Vertretern der Privaten Krankenversicherung liegen auf Eis. Die PKV spielt nur auf Zeit.

 

Die Politik ist nicht bereit zu entscheiden. Obwohl in der Koalitionsvereinbarung der Bundesregierung die Umsetzung einer neuen GOÄ vorgesehen ist, wird den Ärzten immer noch verweigert, was bei den anderen freien Berufen wie Anwälten, Notaren oder Tierärzten bereits abgewickelt wurde", so der Kammerpräsident. In diesem Zusammenhang verweist Windhorst auf eine aktuelle Verordnung der Bundesregierung, nach der die Gebührenordnung für Tierärzte noch vor einer Neubewertung der einzelnen tierärztlichen Leistungen an die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland angepasst werden soll. Ziel sei die generelle Anhebung der einfachen Gebührensätze um zwölf Prozent. Windhorst: „Das ist auch nichts anderes als ein Inflationsausgleich." Und diesen solle die Bundesregierung nun auch auf die Gebührenordnung für Ärzte übertragen. Das sei nicht nur wirtschaftlich gegeben, sondern bedeute auch die notwendige Anerkennung des ärztlichen Berufs, „wenn guter ärztlicher Arbeit auch eine entsprechende Anerkennung gegenüber steht", so Windhorst. „Bleibt diese Wertschätzung aus, bleibt auch der ärztliche Nachwuchs aus." Es gehe hier „nämlich nicht einfach um das Geld", es gehe um Gerechtigkeit und Gleichbehandlung mit anderen Berufsgruppen. „Zwar ist die jetzige GOÄ immer noch besser als gar keine GOÄ, aber sie ist veraltet und überholt." Die Ärzteschaft strebe deshalb weiterhin eine schnelle Einigung bei den GOÄ-Verhandlungen noch in dieser Legislaturperiode an. 

Der Stillstand bei der Entwicklung einer neuen GOÄ hat nach Ansicht des ÄKWL- Vorstandes auch gravierende Auswirkungen auf das Arzt-Patienten-Verhältnis. Nach Meinung des Gremiums lässt die derzeitige GOÄ keine faire Bewertung der ärztlichen Leistung mehr zu und führt aufgrund ihrer Intransparenz bei den Patienten zu Misstrauen. „Die Richtigkeit einer gestellten Rechnung wird dann vom Patienten in Frage gestellt, dies führt zu einer Kriminalisierung der Ärzte und schadet damit dem Arzt- Patienten-Verhältnis, das ja durch Vertrauen geprägt sein sollte“, erklärt der Präsident der ÄKWL, Dr. Theodor Windhorst. 

Pressestelle der
Ärztekammer Westfalen-Lippe