Die Spezifikation: German Healthcare-Futures (GHCF)

Das Prinzip eines FHCF wurde erläutert. Damit sollte u.a. verdeutlicht werden, wie es zu einer Preisbildung der gehandelten Futures auf dem Terminkontraktmarkt kommt. Der Futureskurs ist quasi auch die einzige Variable, da der restliche Vertragsinhalt eines Futures in allen Einzelheiten feststeht. Futures werden in dieser standardisierten Form auf den Markt gebracht, um die Planungs- und Rechtssicherheit zu erhöhen und um hierüber einen regen Handel zu fördern. Durch die Standardisierung können sich Futures gleicher Bauart untereinander vertreten, was das Handeln mit diesen ungemein erleichtert, da sie somit austauschbar werden und über entsprechende Geschäfte glattgestellt werden können. Nun soll ein solches Kontraktformular, in dem die Terminkontraktspezifikationen für einen FHCF aufgelistet werden, definiert werden. Da es bisher nichts Vergleichbares auf dem deutschen Markt gibt, stellt die folgende Übersicht ebenfalls einen fiktiven Kontrakt dar. Einzelne Punkte werden im Anschluss noch einmal herausgenommen und näher erläutert. Noch nicht angesprochene Eigenschaften von Terminkontrakten sowie einige Eigenheiten des Handelns mit Futures sollen auf diese Weise noch Erwähnung finden. Und da in den Kursberichten und Rubriken der Marktdatenlieferanten („data vendors“) auch ein entsprechendes Kürzelsymbol zu finden sein sollte, erhalten unsere Kontrakte den Namen „German Healthcare-Futures“ (GHCF):

1

Bezeichnung

German HealthcareFutures (GHCF)

2

Indexmultiplikator

100 € je Indexpunkt des Index (GHX)

3

Tick-Größe (Basispunkt)

0.10 Indexpunkte = 10,00 €

4

Basiswert

Morbiditätsindex (GHX)

5

Kontraktmonate

März, Juni, September, Dezember

6

Handelszeit

Haupthandelsphase: 7:50 bis 22:00 Uhr (MEZ)

7

Letzter Handelstag

Schlussabrechnungstag

3. Freitag des fälligen Terminmonats, sofern dies ein Börsentag ist; andernfalls der davor liegende Börsentag.

8

Erfüllung

Erfüllung durch Barausgleich ("cash settlement") auf der Grundlage des offiziellen Schlussabrechnungspreises

9

Täglicher Abrechungspreis

der in der Schlussauktion festgestellte Schlusspreis; dies ist der mit den Umsatzvolumen gewichtete Durchschnitt der Preise jener Geschäfte, die in der Minute vor 17:30 Uhr MEZ in diesem Kontrakt festgestellt wurden

10

Schluss-Abrechnungspreis

ermittelt auf der Grundlage der am letzten Handelstag zustande gekommenen Preise

11

Margin

5% vom Nennwert des Kontraktumfangs

12

Limit

12.500 Kontrakte

Tabelle 7: Kontraktspezifikationen der German Healthcare Futures

An dieser Stelle sollen nun noch die auf der vorherigen Seite aufgeführten Punkte näher erläutert werden. Der Name des Futures ist meist seinem Basiswert entlehnt. Der Basiswert unseres Produktes spiegelt die Kosten von Gesundheitsdienstleistungen wider und soll daher den Namen German Healthcare – Futures (GHCF) tragen. Außerdem sollte noch aufgeführt werden, wo das entsprechende Produkt gehandelt werden kann. In Deutschland bietet sich hierfür die EUREX (European Exchange) als eine der weltweit größten Terminbörsen für Finanzderivate an, welche aus dem Zusammenschluss der Deutschen Terminbörse (DTB) und der zur SWX Swiss Exchange gehörenden SOFFEX (Swiss Options and Financial Futures Exchange) hervorging.

Der Indexmultiplikator ist eine standardisierte Größe, die als fixer Geldbetrag angegeben wird, mit welcher der aktuelle Stand eines Index multiplizieren wird, um auf diese Weise den Marktwert von entsprechenden Kontrakten zu bestimmen. Wie wir zu diesem Morbiditätsindex gelangen, der die Kosten von Gesundheitsleistungen widerspiegeln soll, ist Bestandteil des folgenden Abschnittes.

Mit Hilfe der Tick-Größe lässt sich die Wertänderung eines Futures gemäß der Formel (Wertänderung = Anzahl der „ticks“ x „tick-Wert“) berechnen. Somit kann z.B. die festgestellte Kursänderung zwischen zwei beliebigen Zeitpunkten ausgedrückt in der Anzahl an "ticks", multipliziert mit dem standardisierten Wert eines "tick", die Wertänderung des Kontrakts aufzeigen. Bei 100 € je Indexpunkt des GHX kommen wir somit zu den genannten Größen.

Ganz allgemein formuliert ist der Basiswert der zugrunde liegende Marktgegenstand in Form eines abstrakten oder konkreten Gutes. Dieses Gut kann nun eine Ware, ein Finanztitel, ein anderes Derivat oder eine sonstige näher zu definierende Variable von wirtschaftlichem Interesse sein. Vom Marktwert des Basisinstruments leitet sich der Wert eines darauf gehandelten Derivats in theoretisch eindeutig bestimmbarer Weise ab. Dazu ist es notwendig, dass der Wert des Basisinstruments sich jederzeit verifizieren lässt. In unserem Fall liegt also ein eher abstrakter noch näher zu definierender Wert vor, der in seinem Kursverlauf Gesundheitskosten widerspiegeln soll. Er soll aber jetzt schon einen Namen erhalten, nämlich German Healthcare – Index (GHX).

Der zeitliche Abstand zwischen den aneinander schließenden Terminen eines Marktes sollte sich an speziell ausgesuchten Kriterien ausrichten, der in erster Linie auf die Verschiedenheit und Rhythmik der wirtschaftlichen Bedürfnisse Rücksicht nimmt, sich aber auch teilweise an anderweitigen Strukturmerkmalen orientiert, die in ihren jeweiligen Ausprägungen typisch für den Markt sind. In unserem Fall macht es Sinn, jeweils die Quartalsenden eines Jahres zu nehmen, da diese als periodische Zyklen sowohl für die Leistungserbringer als auch für die Krankenkassen eine wesentliche Bedeutung haben.

Eine mögliche Variante für die Erfüllung und Abwicklung endfälliger Terminkontrakte stellt der Barausgleich ("cash settlement") dar. Dadurch wird eine Effektivlieferung des Basisgegenstandes ("underlying") nicht mehr nötig und stattdessen als Kompensationsverfahren des Barausgleichs herangezogen. Je nach Kursverlauf muss der Käufer am letzten Handeltag die Differenz zwischen dem ursprünglich ausgehandelten Preis und einem evtl. niedrigeren Schlussabrechnungspreis begleichen. Der Verkäufer muss umgekehrt den sich aus der Differenz zwischen dem ursprünglich ausgehandelten Preis und einem höheren Schlussabrechnungspreis ergebenden Geldbetrag bezahlen. Das finanzielle Ergebnis berechnet sich aus der Differenz zwischen dem Anfangsstand des Futurekurses und dem Schlussabrechnungskurs multipliziert mit dem jeweiligen Kontraktumfang und der Zahl an insgesamt gehandelten Kontrakten. Man erhält dabei den folgenden Ausdruck:

Ergebnis = (Schlussabrechnungskurs – Kursstand bei Eröffnung der Position) × Preis eines Indexpunkts des Aktienindex × Anzahl Kontrakte (Deiters, B.H., 2011, Der Barausgleich).

Für unseren Basiswert bei den FHCF kann nur die Variante des Barausgleiches zum Tragen kommen. Der ermittelte offizielle Tagesschlusskurs wird auch als Abrechnungspreis ("daily settlement price") bezeichnet. Dieser wird nach Abschluss einer Handelphase als offizieller Referenzkurs festgesetzt.

Der letzte Handelstag bezeichnet gleichzeitig den Stichtag für die Schlussabrechnung. Nach allgemeinen Konventionen fällt dieser Termin auf den ersten Geschäftstag nach dem letzten Handelstag (Schlussabrechnungstag, “final settlement day“) und international ist dies meist der 3. Freitag eines Quartalmonats, an dem nunmehr die endfällige Barausgleichszahlung an den Inhaber der im Wert gestiegenen Position gezahlt werden muss. Mit diesem Termin wird also die Höchstdauer einzelvertraglicher Bindungen festgelegt.

Die Clearingstelle ist dafür verantwortlich, dass Differenzbeträge der einzelnen Handelskonten, hervorgerufen durch Marktpreisänderungen mit konsekutiven Forderungen, fortlaufend nach Ablauf eines Handelstages aufgerechnet und glattgestellt werden. Hierzu haben die entsprechenden Händler Margin-Zahlungen zu leisten. Die initiale Einstandszahlung macht meist nur einen Bruchteil des eigentlichen Kontraktwertes aus und soll in unserem Beispiel bei 5% liegen. Dieses Prinzip der fortlaufenden Regulierung wird auch als „mark to market“-Prinzip bezeichnet. Als direktes Band zwischen Käufer und Verkäufer fungiert die Clearingstelle auch immer als entsprechender Vertragspartner, was somit zu einem Wegfall der Prüfung des Bonitätsrisikos führt, da hohe Verluste durch das „mark to market“-Prinzip klein gehalten werden.

Unter der Positionsobergrenze bzw. dem Positionslimit versteht man die Höchstzahl von gehaltenen Futures-Kontrakten. Demgemäß bezeichnet das Positionslimit die absolute Obergrenze der Zahl spekulativ ausgerichteter Kontrakte, die von einem einzelnen Akteur gehalten, aber nicht überschritten werden darf. Die Einhaltung von Positionsobergrenzen wird von der Handelsüberwachungsstelle der Börse laufend überwacht. Hierdurch soll eine marktbeherrschende Stellung einzelner, die mit dem Kauf deutlich über dem Positionslimit liegender Kontraktumfänge die Kurse manipulieren könnten, verhindert werden.

Nun sind die grundlegenden Prinzipien von Terminkontrakten, insbesondere die der FHCF soweit erläutert, dass wir nun den zweiten Lösungsansatz, nämlich den der CHCF noch ausformulieren wollen, um dann im weiteren Verlauf auf die Bestimmung des German Healthcare Index (GHX) einzugehen und standardisierte Verträge für CHCF vorstellen wollen.