Kostenkategorien

Um diese anfallenden Kosten nun mit einem gegenläufigen Geschäft auf dem Terminkontraktmarkt mit FHCF abzusichern, ist es wichtig, sich zunächst einen Überblick über diese anfallenden Kosten zu verschaffen. Aus diesem Grund soll nun ein kurzer Überblick über etablierte Methoden der Kostenbestimmung in der gesundheitsökonomischen Evaluation gegeben werden, wobei der Prozess der Identifikation, Quantifizierung und Bewertung aus der Perspektive der gesetzlichen Krankenversicherung erfolgt, da der Index auf die Versichertenstruktur großer gesetzlicher Krankenversicherer und deren Kosten zurückgreifen soll.

Diese Bestimmungsmethoden werden dann herangezogen, um einen Kostenindex zu konstruieren. Kostenanalysen können nun aus unterschiedlichen Betrachtungswinkeln erfolgen. Zu nennen sind beispielsweise die Perspektiven der Gesellschaft, der Kostenträger, der Leistungserbringer oder der Patienten. Auf die gesellschaftliche Perspektive sowie die Perspektive aus Sicht der Patienten soll im Folgenden nicht eingegangen werden, da hierbei neben den Kosten des volkswirtschaftlichen Produktionsausfalls auch Kosten anderer Sozialversicherungen sowie Kosten anderer öffentlicher Sektoren berücksichtigt werden müssten, die zunächst einmal für die Entwicklung eines uns interessierenden Kostenindex als Basiswert für FHCF nicht unbedingt im Vordergrund stehen. Wie lassen sich nun Kosten aus gesundheitsökonomischer Sicht einteilen? Eine etablierte Unterscheidung nimmt eine Einteilung in drei Kategorien vor. Die erste Kategorie bezieht sich auf die direkten medizinischen Kosten, die den Ressourcenkonsum durch Gesundheitsdienstleistungen widerspiegeln sollen und gleichzeitig den zukünftigen Ressourcenkonsum abzuschätzen versuchen. Beispielsweise fallen im Rahmen einer koloskopischen Vorsorgeuntersuchung Kosten durch den endoskopischen Eingriff an, gleichzeitig können aber auch Folgekosten einer eventuellen Krebsoperation und der begleitenden Therapie vermieden werden, wenn während des Eingriffs ein Polyp entfernt wird, der eine entsprechende Dignität aufweist, die im weiteren Verlauf zur Entartung geführt hätte. Direkte nicht medizinische Kosten als weitere Kategorie umfassen den Ressourcenkonsum, der zur Unterstützung medizinischer Leistungen hervorgerufen wird. Hierunter fallen beispielsweise Fahrtkosten zum Krankenhaus, Zeitkosten von Angehörigen oder Kosten der informellen Pflege sowie Gerätekosten und andere Investitionen. Als letzte Kategorie bleiben noch die indirekten Kosten zu nennen, die aufgrund eingeschränkter Arbeitsproduktivität, Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit sowie durch vorzeitigen Tod verursacht werden. Für die Entwicklung des GHX-Index sollen uns zunächst nur die direkten medizinischen Kosten interessieren. Wie lässt sich nun eine Quantifizierung des Ressourcenkonsums durchführen. Hierbei kann man sich Analyseinstrumenten bedienen, die entweder durch den Ansatz des Macro-Costing geprägt sind oder sich eher auf den in seinem Umfang deutlich aufwendigeren Micro-Costing-Ansatz beziehen. Durch den Ansatz des Macro-Costing werden Produktionsgüter und Leistungen nach bestimmten Kriterien identifiziert, zusammengefasst und dann im weiteren Verlauf quantifiziert. Der Ansatz des Micro-Costing hingegen geht von einer sehr detaillierten Leistungserfassung aus und bestimmt dann anschließend den hierfür erforderlichen Ressourceneinsatz. Zwischen diesen beiden Ansätzen gibt es fließende Übergänge verschiedener Kostenanalysen, die von der Bestimmung durchschnittlicher Tagespflegesätze, welche beispielsweise Behandlungskosten pro Tag über alle Patientenkategorien aufführen, über die Erfassung krankheitsspezifischer Tagespflegesätze, die durchschnittliche Behandlungskosten pro Tag nach Krankheitskategorien bestimmen, bis zur Bestimmung eines „Case-Mix-Group" reichen, bei welchem die Kosten nach Fallkategorien spezifiziert werden. Ob man nun eher den Macro-Costing- oder eher den Micro-Costing-Ansatz verfolgt, hängt von der gewünschten erforderlichen Genauigkeit ab. Güter und Leistungen, die sehr komplex und kostenintensiv sind und häufig genutzt werden, sollten in einem Micro-Costing-Ansatz gemessen werden, während standardisierte Methoden bei homogenen Patientengruppen über einen Macro-Costing-Ansatz abgeschätzt werden können. Insgesamt ist im Rahmen von Gesundheitsleistungen dem Micro-Costing-Ansatz der Vorzug zu geben, da selbst bei identischen Leistungen nicht unbedingt die gleichen Kosten anfallen müssen. Dies kann nämlich auch davon abhängen, wer die Leistungen finanziert (zum Beispiel gesetzliche Krankenkassen, die gesetzliche Unfallversicherung, die Berufsgenossenschaft oder private Krankenversicherungen). Ebenso können gleiche Leistungen bei unterschiedlichen Vergütungssystemen (DRG-System und EBM-System) auch unterschiedlich bepreist sein. Insgesamt bleibt für den Bereich der Leistungserbringer festzuhalten, dass die Erfassung der direkten medizinischen Kosten über einen Micro-Costing-Ansatz erfolgen sollte